Aufmachermeldung

Sechs Startcluster auf dem Campus Melaten

Aachener Silicon Valley will 10.000 Arbeitsplätze schaffen

Eine der größten Forschungslandschaften in Europa mit 10000 neue Arbeitsplätzen soll der RWTH Campus Aachen werden. Bild: rha Aachen
Eine der größten Forschungslandschaften in Europa mit 10.000 neuen Arbeitsplätzen soll der RWTH Campus Aachen werden (Bild: rha Aachen)

In Aachen sollen in den nächsten sieben Jahren zwei Milliarden Euro in einen Wissenschaftscampus fließen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) tätigte am Donnerstag den ersten Spatenstich.

 

Der RWTH Campus Aachen soll „eine der größten Forschungslandschaften in Europa“ werden. 10000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. „Für uns ist der Campus ein Jahrhundert-Projekt“, sagte Ernst M. Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen. Auf dem Technologie-Campus sollen Wirtschaft und Wissenschaft eng verzahnt forschen. „Aachen zeigt den Weg für die Zukunft unseres Landes“, sagte Rüttgers. Auf 800.000 m² Fläche entstehen in zwei Bauabschnitten Büros, Hallen, Labors und Einrichtungen zur Weiterbildung sowie eine erweiterte Infrastruktur mit Hotel, Sportstätten, Kindergärten, Geschäften und einem Kongresszentrum. In der Endphase 2017 sollen sich hier bis zu 250 Unternehmen und Forschungseinrichtungen angesiedelt haben und in 19 Schwerpunkten gemeinsam arbeiten.

Gesellschafter sind die RWTH Aachen (95 %) und die Stadt Aachen (5 %). Das Gros der Gebäude wird von Investoren aus der Industrie erstellt. Als einer der ersten Neubauten soll das Zentrum für Bio- Medizintechnik in direkter Nachbarschaft zum Klinikum entstehen. „Zu den ersten „Clustern“ gehören unter anderem die Bereiche Produktionstechnik, Logistik, umweltfreundliche Energietechnik und Bio-Medizintechnik“, betonte Prof. Günther Schuh, Geschäftsführer der RWTH Aachen Campus GmbH.

Mit dem neuen Konzept will die Hochschule zu einer der weltweit führenden technischen Universitäten werden. Vorbild ist eine Initiative der kalifornischen Stanford University aus dem Jahr 1951, aus der das Zentrum für die Halbleiter-Forschung, Silicon Valley, hervorging. Die Stadt Aachen bewertet den Campus als wichtigstes Projekt im Strukturwandel von Kohle und Industrie zur Wissenschaft.

Die sechs Startcluster auf dem Campus Melaten:

Wesentliche Forschungsschwerpunkte des Clusters Bio-Medizintechnik sind klinische und experimentelle Bildgebung, bildgeführte Therapie, Organunterstützung, biohybride Systeme und Personal Health Care. Den Nukleus des Clusters bildet das Helmholtz Institut für Biomedizinische Technik. Sieben Lehrstühle und Kliniken aus vier Fachbereichen arbeiten schon jetzt an interdisziplinären Fragestellungen rund um die Bio-Medizintechnik. Clusterleiter ist Prof. Thomas Schmitz-Rode, Lehrstuhl für angewandte Medizintechnik, Helmholtz Institut der RWTH Aachen

Die Umstellung auf eine nachhaltige Energieerzeugung und die Steigerung der Energieeffizienz sind Ziele des Energietechnik-Clusters. Intelligente Vernetzung der unterschiedlichen Energienetze (Elektrizität, Gas, Wärme) und Ressourcen schonende Energieerzeugung werden dabei hinsichtlich Bedarf und Wirtschaftlichkeit sowie sozialer Aspekte beleuchtet. Auch neue Materialien für Wärmedämmstoffe in intelligenten Fassaden oder neue Halbleiterstrukturen für Energiewandlungstechnik (Leistungselektronik) werden beforscht. Das E.ON Energy Research Center bildet den „Leuchtturm“ des Clusters Umweltfreundliche, nachhaltige Energietechnik, in dem genau die genannte Kombination der Fragestellungen von fünf Instituten unter einem Dach zu aktuellen Energiethemen bearbeitet wird. Clusterleiter ist Prof. Rik W. De Doncker vom Institut für Stromrichter und elektrische Antriebe, ISEA.

Im Cluster Optische Technologien werden unter Leitung von Prof. Reinhart Poprawe, M.A., Lehrstuhl für Lasertechnik,(LLT), Verfahren zur Erzeugung und Formung von Licht sowie Licht als Werkzeug für die industrielle Produktion erforscht und entwickelt. Zur angewandten Forschung zählen die Bereiche Beleuchtung und optische Komponenten sowie Life Science, Messtechnik und Diagnose. Das Anwenderzentrum des Fraunhofer Instituts für Lasertechnik, in dem sich Unternehmen mit der Absicht einer intensiven Kooperation in F&E angesiedelt haben, kann man als Prototypen des Campus-Konzeptes bezeichnen. Somit verfügt dieses Cluster über besonders umfangreiche Erfahrung in dieser Art der Zusammenarbeit.

Das Cluster Logistik wird drei Innovation-Labs verbinden mit den Forschungsschwerpunkten
- Interoperabilität, Standardisierung und Systemintegration von Enterprise Resource Management (ERP-Systeme)
- Technologiescouting und -einsatz und Informationslogistik mit intelligenten Objekten (Smart Objects)
- Integration und Modularisierung kundenorientierter Dienstleistungen
Eine wandelbare Produktlinie im Rahmen einer Lernfabrik dient der Erprobung und Instantiierung von Logistiksystemen anhand einer direkten Anwendungs- und realen Wertschöpfungsketten und dient zusätzlich als Demonstrator zur beruflichen Weiterbildung. Clusterleiter sind Prof. Günther Schuh und Dr. Volker Stich vom Forschungsinstitut für Rationalisierung FIR.

Das Ziel des Clusters Integrative Produktionstechnik unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement, WZL, ist die integrative Forschung an der Produkt- und Prozessgestaltung zur Bereitstellung von Schlüsseltechnologien und -kompetenzen hinsichtlich Produzierbarkeit, Serientauglichkeit, Herstellkosten und Nachhaltigkeit. Die über Jahre aufgebaute Kompetenz des Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen und des Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie IPT in der Branche Werkzeugbau wird in einer Werkzeugbauakademie demonstriert. Die StreetScooter AG, ein Verbund aus zehn großen Automobilzulieferunternehmen und 14 mittelständischen Unternehmen sowie Instituten der RWTH und der FH Aachen, entwickelt und produziert modulare Elektrofahrzeuge.

Cluster Schwerlastantriebstechnik

Forschungsinhalt des Clusters Schwerlastantriebstechnik unter Leitung von Prof. Georg Jacobs Lehrstuhl und Institut für Maschinenelemente und Maschinengestaltung, IME und Prof. Christian Brecher, Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen, WZL, ist die ganzheitliche Optimierung und Entwicklung von Schwerlastantriebssystemen durch Einbindung aller relevanten Systeme und Komponenten, wie des eigentlichen Antriebsstrangs, der Steuerungstechnik, des Getriebes, elektrischer und hydraulischer Antriebe und der erforderlichen Maschinenelemente. Die Anwendungsgebiete der Schwerlastantriebstechnik liegen vor allem in der Windkraft, bei Baumaschinen und Traktoren sowie in der Bahntechnik.

 


 

             
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