18.04.2006 // Fachartikel

Video-over-IP und Biometrie legen kräftig zu

Sicherheit gefragt wie nie zuvor

Videoüberwachungssysteme werden immer leistungsfähiger und zugleich wirtschaftlich attraktiver (Bild: Deutsche Messe)
Videoüberwachungssysteme werden immer leistungsfähiger und zugleich wirtschaftlich attraktiver (Bild: Deutsche Messe)
Das Zutrittskontrollsystem Boguard 32 von Bosch beinhaltet eine einfach bedienbare Software, die bis zu 20 000 Benutzer verwaltet (Bilder: Bosch Sicherheitssysteme)
Das Zutrittskontrollsystem Boguard 32 von Bosch beinhaltet eine einfach bedienbare Software, die bis zu 20 000 Benutzer verwaltet (Bilder: Bosch Sicherheitssysteme)
Zur Steuerung der Gebäudetechnik und zur Überwachung großer Objekte werden vermehrt Systeme verschiedener Hersteller eingesetzt
Zur Steuerung der Gebäudetechnik und zur Überwachung großer Objekte werden vermehrt Systeme verschiedener Hersteller eingesetzt

Videoüberwachung, Zugangskontrollsysteme und biometrische Identifikation werden immer leistungsfähiger und zugleich wirtschaftlich attraktiver. Davon zeugen zahlreiche Exponate auf der Hannover Messe im Rahmen der Fachmesse Industrial Building Automation.

Wie viel Kontrolle muss sein, um Vermögenswerte und das Know-how eines Unternehmens zu schützen oder den öffentlichen Raum vor Rechtsbrechern zu sichern? Die Antwort lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Vertrauen ist gut, Videoüberwachung ist besser. Und dem Trend unserer Zeit folgend, lässt sich die Aussage auch auf Zugangskontrollsysteme und die biometrische Identifikation übertragen. Dass die genannten Verfahren immer leistungsfähiger und zugleich wirtschaftlich attraktiver werden, davon zeugen zahlreiche Exponate, die auf der Hannover Messe im Rahmen der Fachmesse Industrial Building Automation gezeigt werden.

High Tech kennzeichnet die Lösungen von Videoüberwachungssystemen über Zutrittskontroll-, Einbruchmelde-, Brandmelde- und Evakuierungssysteme bis zu Sicherheitsmanagementsystemen. Das zeigt sich auch daran, dass so manches Unternehmen einen zweistelligen Prozentsatz seines Umsatzes in die Entwicklung investiert. Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Videoüberwachung ein, wobei die Kameraentwicklung einen besonders hohen Stellenwert besitzt. Zumal immer höhere Anforderungen an die Qualität der Aufnahmen gestellt werden.

Um selbst unter schwierigen Bedingungen scharfe Bilder zu erhalten, wurden Day-and-Night-Kameras entwickelt, die bei Tag hervorragende Farbbilder liefern. Spezielle Algorithmen in der Software sowie mechanische Filter lassen bei Dunkelheit den Betrieb in einem Schwarz-Weiß-Modus zu. Dadurch entstehen auch in der Nacht gestochen scharfe Bilder – zumindest beim Einsatz technologisch anspruchsvoller Kameras. Deren Installation war bislang mit einem nicht unerheblichen Verkabelungsaufwand verbunden. Doch hier kündigt sich eine erfreuliche Entwicklung an: Die Videotechnik setzt zunehmend auf Video-over-IP, eine Technik, bei der Daten von Kameras über die ohnehin vorhandenen Computernetzwerke übertragen werden. Diese Netzinfrastruktur durchzieht die meisten Unternehmen bereits jetzt nahezu vollständig, so dass beim Aufbau eines Sicherheitssystems eine Menge Geld gespart werden kann.

Da die Videotechnik im laufenden Betrieb zur Einsparung von Personalkosten führt, da weniger Pförtner und Wächter von einer Zentralstelle aus das Gelände überwachen können, gehören Investitionen in diese Technik zur Kategorie der Rationalisierungsinvestitionen. Uwe Glock, Geschäftsführer der Bosch Sicherheitssysteme GmbH, weist darauf hin, dass Kontrollgänge von Wächtern ohnehin nicht unproblematisch sind. Zumal Einbrecher recht genau abschätzen können, wann der Wächter den Bereich des Tatortes erreicht – und wann die Gefahr wieder vorüber ist. Wird ein Werksareal hingegen von Videokameras überwacht, müssen Täter damit rechnen, jederzeit entdeckt zu werden.

Nicht weniger wichtig als die Videoüberwachung sind Zugangskontrollen. Diese Systeme stellen sicher, dass nur Befugte die ihnen zugedachten Räume betreten können. Auf diesem Gebiet gibt es immer mehr Systeme, deren Wahl von den jeweiligen Anforderungen im Sinne der Risikoeinschätzung abhängt. Noch dominieren hier die Chipkarten, wobei moderne Anlagen auf das Einstecken der Karten in Codeleser verzichten. Die Daten werden praktisch im Vorbeigehen per Funk gelesen und überprüft. Der jüngste Trend gilt in diesem Zusammenhang der RFID-Technik, die auf Mikrowellensendern basiert, die eine sichere Erkennung und Unterscheidung nahezu beliebig vieler Teilnehmer zulässt. Hier gilt heute noch ein Leseabstand von 5 bis 20 cm, doch die zulässigen Abstände steigen.

Auch biometrische Verfahren dienen der Zutrittskontrolle, beispielsweise das Fingerprint-Verfahren. Für Hochsicherheitsbereiche kann diese Technik allerdings nur bedingt empfohlen werden, da etwa 1 % der Menschen keine signifikanten Fingerabdrücke besitzen. Eine deutlich höhere Sicherheit bietet die Gesichtsfelderkennung, die jedoch – zumindest nach heutigem Stand – eine höhere Abweisungsrate mit sich bringt. Abgewiesene Personen müssen dann konventionell überprüft werden, was die Anwesenheit von Sicherheitspersonal voraussetzt. Längerfristig rechnet Uwe Glock jedoch damit, dass per Gesichtsfelderkennung sogar ganze Gruppen schnell und sicher identifiziert werden können.

Ein weiteres, heute verfügbares System ist die Iris-Erkennung, die als die zurzeit fälschungssicherste Technik apostrophiert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass zweimal die gleiche Iris existiert, liegt bei 1:108. Ist höchste Sicherheit gefordert, werden zunehmend mehrere Sicherheitssysteme zu einer Gesamtlösung verknüpft.

Hinsichtlich der Videoüberwachung hofft so mancher Anwender darauf, Videobilder bald per Funk übertragen zu können, um den Installationsaufwand weiter zu senken. Doch das Thema Video-über-Funk wird in einer hochwertigen Qualität noch relativ lange bis zur Marktreife brauchen, da Videobilder auf großen Datenmengen basieren. Für die Einbruchmeldetechnik wird Bosch Sicherheitstechnik allerdings schon bald ein neues Funkübertragungssystem auf den Markt bringen, das Daten sogar bidirektional übertragen kann.

Printausgabe: 2006/16, Seite 87

2006016

 

             
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