Blechbearbeitung: Blechexpo bestätigt Trend zu Servotechnik
In der Ruhe liegt die Kraft
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- Servomotoren haben Leistungsdimensionen erreicht, die sie für den Hauptantrieb selbst größerer Umformanlagen qualifizieren. Müller Weingarten setzt zwei Servomotoren direkt auf die Exzenterwelle Bild: Müller Weingarten Finn-Power-Geschäftsführer Tomas Hedenborg ist von den Vorteilen servoelektrischer Antriebe überzeugt Bild: Finn-Power
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- Clevere Automation zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit liegt im Trend: Die TruPunch 5000 Neu kann bis hin zur Einbindung von Lagertechnik automatisiert werden Bild: Trumpf
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Die Messe Blechexpo manifestierte zwei wesentliche Trends in der Blechbearbeitung: Der Wettbewerbsfähigkeit der Kunden geschuldet, offerieren die Hersteller verstärkt Systeme mit leistungsfähigerer Antriebs- und Steuerungstechnik sowie Lösungen zu optimal angepasster Automatisierung.
Dass servoelektrischen Antrieben in der Blechbearbeitung die Zukunft gehört, wurde einmal mehr auf der Messe Blechexpo deutlich. Die Vorteile dieser umweltfreundlichen Technik zeigen sich bei Maschinen zum Umformen, Biegen und Stanzen gleichermaßen. Zu den Vorzügen gehören eine hohe dynamische Leistungsfähigkeit und Positioniergenauigkeit sowie ein hohes statisches Moment bei Nullgeschwindigkeit. Diese Faktoren bilden die Grundlage für eine gesteigerte Produktivität und Präzision. Hinzu kommen ein von Natur aus niedriger Energieverbrauch – speziell im Stand-by-Betrieb – sowie ein reduzierter Wartungsbedarf.
Aufgrund der Fortschritte in der Direktantriebstechnik haben Servomotoren inzwischen Leistungsdimensionen erreicht, die sie für den Hauptantrieb selbst größerer Umformanlagen bis 20 000 kN qualifizieren. Dementsprechend präsentierten verschiedene Pressenbauer wie Schuler (s. Heft 22/23, S. 26), Müller Weingarten, Beutler Nova oder Haulick + Roos Produkte und Lösungen mit Servotechnik.
Die Müller Weingarten AG aus Weingarten, beispielsweise, setzt zwei Servomotoren direkt auf die Exzenterwelle. Durch den Wegfall der Kupplungs-/Bremskombination ergibt sich ein reduzierter Bauraum und Ersatzteilbedarf bei deutlichen Produktivitäts- und Flexibilitätsvorteilen gegenüber herkömmlichen hydraulischen und mechanischen Pressen. Die Servopresse realisiert ganz unterschiedliche Bewegungskurven. Damit lassen sich unter anderem Schneid-, Zieh- und Prägeoperationen verschiedener Art durchführen. Je anspruchsvoller Teilegeometrien oder -funktionen, desto mehr soll sich der Wirtschaftlichkeitsvorteil der Servopressen zeigen.
Relativ wenig aufwendig ist die neue, nachrüstbare Servopressen-Technik der Müller-Weingarten-Tochter Beutler Nova AG, Gettnau/Schweiz. Auf Basis der NAD-Stanzautomaten im Nennkraftbereich zwischen 1250 und 5000 kN erhält der Kunde praktisch zwei Pressen in einem System: Je nach Anwendung, steht für höhere Drehzahlen ein sinusförmiger Stößelverlauf sowie ein modifizierter Stößelverlauf für niedrigere Drehzahlen zur Verfügung. Dabei wird die Auftreff- und Umformgeschwindigkeit für werkzeugschonenden Betrieb und komplexe Umformarbeiten reduziert. Der elektrisch modifizierte Antrieb dient allein der Leistungssteigerung und verzichtet auf Positionier- oder Pendeloptionen. Die vorgestellte 2000-kN-Presse eignet sich besonders für komplexe Ziehteile und soll um bis zu 50 % produktiver sein als herkömmliche mechanische Pressen.
Eine gesteigerte Ausbringleistung, Flexibilität und Teilequalität verspricht auch der neue Servoantrieb Flexible Servo Drive (FSD) der Haulick + Roos GmbH, Pforzheim. Zudem sollen die Einrichtphasen verkürzt, Werkzeugstandzeiten und Prozesssicherheit erhöht und die Geräuschemission vermindert werden. Ebenso wie bei dem System von Beutler Nova lässt sich bei den Badenern die Stößelgeschwindigkeit je nach Aufgabe variabel einstellen. Zudem kann die Veränderung der Stößelgeschwindigkeit abgeschaltet und der Stanz- und Umformautomat mit einer sinusförmigen Stößelbewegung als klassische Exzenterpresse produktiv betrieben werden.
Bei den Herstellern von Stanz- und Biegemaschinen setzen neben verschiedenen kleineren Unternehmen wie Safan auch die Marktführer Amada und Finn-Power auf die Servotechnik. Finn-Power-Geschäftsführer Tomas Hedenborg berichtet: „Selbst in den Jahren des Konjunkturrückgangs 2002 bis 2004 haben wir in Forschungs- und Entwicklungsprojekte investiert. Zu den Ergebnissen dessen gehören viele produktivitätssteigernde Parameter, auf die unser Wettbewerb gerade erst aufmerksam wird. Ein Beispiel ist unser Sortiment an elektrischen servogetriebenen Produktgruppen." Dieses reicht von Stanz- über Gesenkbiegemaschinen bis zu Biegezentren.
Bei den Gesenkbiegemaschinen greift Finn-Power, mit Sitz in Hallbergmoos, auf die servoelektrischen Systeme seines niederländischen Kooperationspartners Safan B.V., Lochem, zurück. Auf der Blechexpo stellte Safan seine E-Brake 50T 2050 mit dem neuen TMS-System vor, das die Winkelgenauigkeit stark verbessern soll: Es misst die Blechdicke vor dem Biegen und sendet die Daten zur Steuerung, wo die Dicken-Unterschiede verrechnet werden. „ Verglichen mit Winkelmesssystemen, sind die Winkelergebnisse besser zu erreichen – und dies bei erheblich niedrigeren Kosten", sagt Vertriebsleiter Wim van Kranen.
Eine neue servoelektrische Stanzmaschine stellte die Amada GmbH, Haan, vor. Die Baureihe AC NT soll die Vorteile mechanischer Stanzmaschinen mit der Flexibilität und Schnelligkeit hydraulischer High-Speed-Systeme verbinden. „Sie bietet Leistung und Komfort einer Hochleistungsstanzmaschine zum Preis eines Einsteigermodells", merkt Geschäftsführer Frank Mörchel an. Erhältlich sind zwei im Verfahrbereich unterschiedliche Modellvarianten mit Stanzkräften von 200 kN. Der laut Anbieter präzise ansteuerbare und fast wartungsfreie servoelektrische Stanzantrieb soll sich durch eine geringe Leistungsaufnahme und hohe Energieeffizienz auszeichnen. Niedrige Betriebskosten und Geräuschemissionen werden ergänzt durch hohe Laufruhe.
Weniger auf die Servotechnik setzt bislang die Ditzinger Trumpf GmbH + Co. KG. Mit der TruPunch 5000 Neu stellte sie eine hydraulische Stanzmaschine vor, die die weltweit produktivste sein soll. Verantwortlich hierfür ist unter anderem der serienmäßig eingebaute schnellere Bedienrechner. Laut Hersteller wurden die Rekord-Stanzzeiten der TruPunch 5000 um einen entscheidenden Faktor ergänzt, indem die Nebenzeiten reduziert wurden. Das neue Modell soll um bis zu 15 % produktiver sein als das bisherige und damit eine echte Alternative zum Laserschneiden darstellen. Der Werkzeugwechsel dauert 2,8 s, beim Mehrfachwerkzeug sind es nur 0,3 s. Hinzu kommt, dass sich die Steuerung schneller hochfährt und die Rechnerzeiten kürzer sind. Um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Kunden in Hochlohnländern zu sichern, bietet ihnen der Hersteller die Möglichkeit zu bedienerarmer Fertigung: Die TruPunch 5000 Neu kann bis hin zur Einbindung von Lagertechnik automatisiert werden. Hierfür steht eine Vielzahl an Komponenten zur Verfügung.
· Dr. Bernhard Reichenbach bernhard.reichenbach@konradin.de
Niedrige Geräuschemissionen bei hoher Laufruhe
Printausgabe: 2007/26, Seite 30


