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Gesteuerte Gratbahnen sollen künftig auch bei reduziertem Materialeinsatz eine vollständige Füllung der Schmiedeform und damit hochwertige Bauteile gewährleisten Bild: IPH
Materialeinsparungen sind ein Dauerthema in der Schmiedeindustrie. Wie trotz weniger Materialeinsatz eine gleichbleibende Bauteilqualität erreicht werden kann, untersucht das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH). Die Wissenschaftler prüfen dazu den Einsatz einer variabel gesteuerten Gratbahn.
Gesteuerte Gratbahnen sollen künftig auch bei reduziertem Materialeinsatz eine vollständige Füllung der Schmiedeform und damit hochwertige Bauteile gewährleisten Bild: IPH
Gesenkschmieden: Gesteuerte Gratbahn soll Formfüllung gewährleisten

Eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Material

Die Entscheidung, wie viel Material bei der Herstellung von Spurstangen, Querlenkern und anderen komplizierten Schmiedeteilen eingesetzt wird, ist eine Gratwanderung. Wird zu wenig Material verwendet, so kommt es unter Umständen zu einem der häufigsten Schmiedefehler: Die Werkzeugform wird nicht komplett ausgefüllt. Die Folge: Ausschuss. Ein Mehr an eingesetztem Material ist meist auch keine Alternative. Denn die Materialkosten verursachen ohnehin fast die Hälfte der Bauteilkosten. Zudem muss das überschüssige Material in Form von Graten mühsam vom Bauteil entfernt werden.

Materialeinsparungen beim Schmieden bieten also großes Potenzial für Kosteneinsparungen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, trotzdem ein qualitativ hochwertiges Bauteil zu fertigen. Das IPH untersucht nun, wie künftig trotz weniger Materialeinsatz die Füllung der Gesenkform gewährleistet werden kann. Ansetzen möchten die Wissenschaftler direkt am Werkzeug. Beim konventionellen Schmieden fließt das überschüssige Material durch den Gratspalt aus dem Gesenk ab. Dieser Spalt hat eine bestimmte unveränderliche Größe, die bei der Konstruktion festgelegt wird. In ihrem neuen Forschungsprojekt untersuchen die Wissenschaftler, wie ein flexibel steuerbarer Gratspalt zur vollständigen Füllung des Gesenks bei wenig Materialeinsatz beitragen kann.

Wird weniger Material eingesetzt, so können Volumen- und Temperaturschwankungen negative Folgen für die Formfüllung des Gesenkes haben. Im Forschungsprojekt soll untersucht werden, wie sich diese Effekte mit Hilfe einer gesteuerten Gratbahn beeinflussen lassen. „Durch eine Steuerung der Gratbahn können wir zukünftig besser auf Volumen- und Temperaturschwankungen reagieren und somit eine vollständige Formfüllung gewährleisten", prognostiziert Prof. Bernd-Arno Behrens, einer der drei Geschäftsführenden Gesellschafter am IPH. Sogar komplizierte Langteile könnten dadurch bald mit weniger Materialeinsatz hergestellt werden.

Im Projekt soll zunächst geprüft werden, wie sich die Gratbahn steuern lässt. Denkbar ist eine passive Steuerung über Federn oder eine aktive mittels Hydraulik. Anschließend wird zur Auslegung der Bauteile ein FEM-Modell entwickelt, das das neue Werkzeug abbilden kann. Im letzten Schritt werden die Ingenieure die Einflüsse von Temperatur und Werkstoffen in Versuchen überprüfen.

Seit über einem Jahrzehnt forscht das IPH mit anderen Instituten im Sonderforschungsbereich 489 zum gratlosen Präzisionsschmieden. Gratlos bedeutet, dass gar kein Materialüberschuss bei der Herstellung entsteht. Fürs Herstellen einfacher rotationssymmetrischer Bauteile, etwa von Zahnrädern, hat sich dieses Verfahren in der Praxis etabliert. Komplizierte Langteile, wie Spurstangen oder Querlenker, hingegen werden weiterhin konventionell mit Grat geschmiedet. Weil die Entwicklung der Werkzeuge für die anspruchsvolleren Bauteile derzeit noch teuer ist, ist das gratlose Präzisionsschmieden in diesem Bereich kaum verbreitet. Angestrebt wird daher zunächst eine Reduzierung des Grats.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt „ Mechanismen zur Steuerung einer variablen Gratbahn und deren Einfluss auf die verschleiß- und volumenschwankungsabhängige Formfüllung beim Gesenkschmieden". Das Projekt startete im August und läuft bis Juli 2013. hw

19.09.2011


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