„Die Gewinner-Teams zeigen, wie sich Roboter zum Vorteil aller in unseren Arbeitsalltag integrieren lassen", sagte Olaf Lies anlässlich der Verleihung des Robotics Award 2013 auf der Hannover Messe. Der Wirtschaftsminister Niedersachsens fuhr fort: „Roboter ersetzen nicht etwa die Arbeitskraft Mensch durch die Arbeitskraft Maschine. Sie werden zum Helfer, der vor körperlichen Schäden durch monotone oder gesundheitsgefährdende Tätigkeiten schützt." In diesem Jahr stand die Jury des Wettbewerbs vor einer besonderen Herausforderung: „Sie musste aus all den bahnbrechenden Entwicklungen einen einzigen Gewinner ermitteln. Das fiel deutlich schwerer als in den Vorjahren", erklärte Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG. Jeder einzelne Wettbewerbsbeitrag zeige, dass die Robotik tatsächlich die Realität unserer Zukunft ist – und dass diese Zukunft den Menschen nicht verdrängt, sondern braucht. Laut Köckler sind die praxisrelevanten Lösungen der Schlüssel, durch den das Team Mensch-Roboter sein ganzes Potenzial entfalten kann.
Die Hannover Messe hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, diese Anwendbarkeit in zweifacher Hinsicht zu fördern: „Mit Austauschmöglichkeiten wie dem Forum Robotics, Automation & Vision oder der Robotersprechstunde intensivieren wir die Kommunikation zwischen Entwicklern und Anwendern", sagte Köckler. „Und mit dem Robotics Award geben wir Forschern und Entwicklern eine internationale Plattform für ihren Ideenreichtum." Auf dem Weg in die Automatisierung sei das essentiell – denn nur der Mensch verleihe dem Roboter die nötige Flexibilität, um nahezu überall eingesetzt werden zu können.
Ganz im Zeichen dieser Flexibilität steht das Gewinnerkonzept: Die KUKA Roboter GmbH, Augsburg, kombinierte einen Industrieroboter mit einem Elektrofahrzeug. Mit diesem System können große Bauteile flexibel und autark bearbeitet werden, weil es sich ohne Kabelverbindungen frei im Raum bewegen kann. Dank einer neu entwickelten Navigations-Software manövriert das System zudem durch engste Raumverhältnisse. Über eine Bleibatterie und einen Konverter mit Strom versorgt, kann es bis zu 6 h am Stück betrieben werden. Da der Roboter mobil ist, entfällt der Transport großer Bauteile zu einer automatisierten Roboterbearbeitungsstation.
Der Zweitplatzierte EEP Maschinenbau GmbH aus Zeiselmauer in Österreich überzeugte die Jury mit einer Roboteranlage zum Anschneiden von Teiglingen direkt in der Produktion. Das System verknüpft innovative dreidimensionale Bilderkennung mit einem Delta-Hochgeschwindigkeits-Robotersystem. Die Position und das Höhenprofil der Rohteiglinge werden so automatisch und schritthaltend bestimmt. Ein Ultraschallmesser schneidet die unterschiedlichsten Gebäckvarianten und verhindert, dass sehr klebriger Teig an der Schneidklinke haftet. Die Anlage reduziert eintönige manuelle Arbeitsabläufe, reduziert ungesunde Körperhaltungen und liefert durch Verdopplung der Maschinentaktung ein deutlich besseres Ergebnis im Vergleich zum manuellen Schneiden.
Die Zürcher Hochschule wurde für JILAS mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Im Rahmen eines EU-Projektes realisiert, wird in diesem Projekt ein kraftgeregelter Industrieroboter als universelles Montagewerkzeug für die vorrichtungslose Flugzeugmontage in Kleinserien eingesetzt. Das teilautomatische System erfordert keine aufgabenspezifischen Softwarekomponenten. Auch Kenntnisse zur Roboterprogrammierung werden vom Nutzer nicht vorausgesetzt. Im Zentrum von JILAS steht eine sichere Mensch-Roboter-Interaktion: Der Roboter unterstützt den Nutzer beim Heben und Manipulieren. Diese Teilautomatisierung vermeidet Folgeschäden und macht normalerweise körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten auch für Menschen mit Handicap oder wenig Muskelkraft möglich.
Die Hannover Messe vergab den Robotics Award bereits zum dritten Mal in Kooperation mit der Zeitschrift Industrieanzeiger und der Robotation Academy. Der Preis richtet sich an Unternehmen und Institutionen aus dem In- und Ausland und prämiert robotergestützte Lösungen mit der höchsten Praxisrelevanz. Die Projekte wurden anhand von fünf Kriterien bewertet: Technologischer Innovationsgrad, Nutzen für Industrie sowie Umwelt und Gesellschaft und Wirtschaftlichkeit, Form der Darstellung und Präsentation sowie Realitätstest in der industriellen Anwendung.
Mehr über die Preisträger sowie weitere Nominierte Roboterlösungen erfahren Sie in der Industrieanzeiger-Ausgabe 14, die 10. Juni erscheint. hw