Chinas Wachstum treibt auch Firmenkäufe
China wächst im ersten Quartal voraussichtlich „nur" noch um 8,4 % gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das ist immer noch viel für eine Industrienation, für das in vielen Regionen noch unterentwickelte Riesenreich ist es das nur bedingt. Dass sich das chinesische Wirtschaftswachstum abkühlt, zeigt aber auch, dass die Regierung in Peking langfristiges Wachstum nicht einfach anordnen kann. Gleichwohl wird sie alles dafür tun, Wohlstand zu schaffen und dies zu kontrollieren, um die eigene Macht zu festigen. Jüngstes Beispiel ist ein neuer Industrieverband, um die Kontrolle über einige der wichtigsten Rohstoffe für die Herstellung von Elektronikprodukten – die Seltenen Erden – weiter zu verstärken. Der Verband soll die Beschwerden anderer Länder wegen Chinas restriktiver Exportpolitik abwehren und den Preis der Seltenen Erden noch besser in den Griff bekommen. Die Denkfabrik Global Trade Alert listet auf, dass es 2012 dreimal mehr Maßnahmen zum Schutz von Märkten gab als zu ihrer Liberalisierung. Obgleich weltweit die Protektionisten verstärkt wieder das Wort führen, boomt der Welthandel. Die deutschen Exporte knackten 2011 die Marke von 1000 Mrd. Euro. Dabei hat die Volksrepublik ihren Anteil an den deutschen Exporten binnen wenigen Jahren von rund 3 % auf über 6 % verdoppelt. Damit ist Chinas Wirtschaft erstmals wichtiger geworden als die Italiens. Andererseits begnügt sich das bevölkerungsreichste Land der Erde mit Importen aus Deutschland immer weniger. Mit dem Fokus Qualität statt Quantität gehen chinesische Unternehmen verstärkt hierzulande auf Einkaufstour. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young erwartet für dieses Jahr eine größere Welle an chinesisch-deutschen Firmentransaktionen. Rund 1,7 Billionen Dollar will Peking bis 2015 in High-Tech-Branchen investieren. Die zweitgrößte Volkswirtschaft dürfte trotz der gegenwärtigen Abkühlung noch lange den Rest der Welt mitziehen.
