Anton Schweiger, Vizepräsident des VDWF, sieht gute Chancen für den deutschen Werkzeugbau

„Lopez-Effekt wirkt nur kurzfristig"

„Preisdumping kann nicht die Antwort sein, wenn es um High Tech geht. Sonst gibt es nur Verlierer.
„Preisdumping kann nicht die Antwort sein, wenn es um High Tech geht. Sonst gibt es nur Verlierer." Bild: Schweiger
„Frühzeitig in die Entwicklung eingebunden, kann der Formenbauer auf ein prozessgerechtes Bauteil und Werkzeug hinwirken. Das senkt später in der Fertigung die Kosten deutlich
„Frühzeitig in die Entwicklung eingebunden, kann der Formenbauer auf ein prozessgerechtes Bauteil und Werkzeug hinwirken. Das senkt später in der Fertigung die Kosten deutlich", sagt Anton Schweiger Bild: Autor
Eine hochproduktive Werkzeuglösung bringt mehr, als sich mit einer billigen sparen lässt, sagt Anton Schweiger. Der Geschäftsführer der Erich Schweiger GmbH & Co. KG in Uffingen und Vizepräsident des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) erläutert, warum das so ist.

Eine hochproduktive Werkzeuglösung bringt mehr, als sich mit einer billigen sparen lässt, sagt Anton Schweiger. Der Geschäftsführer der Erich Schweiger GmbH & Co. KG in Uffingen und Vizepräsident des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) erläutert, warum das so ist.

· Herr Schweiger, der deutsche Werkzeugbau muss sich großen Veränderungen und einer fortschreitenden Globalisierung stellen. Wie bekommt ihm das?

Seit 2000 sind die Veränderungen in der Tat tief greifend. Preisdruck im Inland, immer kürzere Entwicklungsspielräume und steigender internationaler Wettbewerb. Auch die Stabilität der Kundenbeziehung hat gelitten. Dazu kommt, dass der Preis für Werkzeugstähle seit der Jahrtausendwende um 50 bis 60 Prozent gestiegen ist. Das müssen wir intern voll ausgleichen.

· Der Markt verhält sich also sehr robust Ihnen gegenüber. Wie halten sie dagegen?

Durch Rationalisierung konnte der Werkzeugbau seine Preise in den letzten fünf bis sechs Jahren um rund 30 Prozent senken. Aber auch im globalen Wettbewerb behauptet sich die Branche. Wenn ein Einkäufer einen Preisvorteil von 50 Prozent für Werkzeuge aus China vorrechnet, dann ist das eine typische „Obstgeschichte" – ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Wir haben es möglicherweise mit anderen Stählen zu tun, es sind eventuell andere Konstruktionskonzepte, was sich darin auswirkt, dass eine Form spritzgießgerecht ist, oder eben nicht. Auch im Service bieten wir Kunden im Binnenmarkt einiges mehr. Den realen Preisvorteil würde ich am Ende auf zehn bis 15 Prozent schätzen.

· Mit welchen Argumenten schließen Sie diese Lücke?

Werkzeuge verkaufen sich nicht nach Gewicht und Preis. Da zählt die Entwicklungsleistung bis zur spritzgießgerechten Form, das Verfahrens-Know-how des Anbieters und die notwendige Beratung des Kunden. Flexibilität und Geschwindigkeit in der Entwicklung sind unsere Stärken. Lagen die Entwicklungszeiten früher bei rund 20 Wochen, so sind wir heute in der Lage, vergleichbare Werkzeuge in 15 bis 16 Wochen abzumustern. In Extremfällen noch schneller. Werden wir frühzeitig eingebunden, können wir auch kalkulatorisch helfen und Einfluss nehmen, etwa auf Toleranzen oder Mold-Flow-Berechnungen. Eben auf Aspekte, die wichtig sind und dem Kunden später in der Fertigung Vorteile bringen. Auch darin liegen Optionen zur Kostensenkung.

· Und den Einkäufer interessieren doch nur die Preise?

Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen eine gewisse Umkehr vermuten. Es wird zunehmend möglich, technisch zu argumentieren. Mittlerweile haben die deutschen Verarbeiter Prozesserfahrung mit Werkzeugen aus Übersee. Die Beschaffungskosten sind zwar günstiger, aber dafür treiben Nachbesserungen und Verfügbarkeitsausfälle die Betriebskosten oft in die Höhe. Nur den Beschaffungspreis zu sehen, reicht nicht. Die Betrachtung muss ganzheitlicher und differenzierter ausfallen. Nur dann ist sie ökonomisch seriös.

· Was darf ein Kunde bei einem deutschen Werkzeugbauer an Mehrwert erwarten?

Im Grunde ist es eine Mischung aus technischer Kompetenz und langwelligem Vertrauen. Das gilt von der Konstruktion bis zur Nullserie: Eine Rundumbetreuung über den gesamten Lebenszyklus des Tools. Unsere Dienstleistung zielt nicht auf nackte Werkzeuge ab. Preisdumping kann nicht das Ziel sein, wenn es um modernste Technik geht. Wir wollen dem Kunden Prozesssicherheit und Verfügbarkeit gewährleisten. Er sollte versuchen am Produkt Geld zu verdienen, nicht an den Werkzeugkosten. Bei den geforderten Toleranzen und Stückzahlen ist das der logische Weg. Wenn wir frühzeitig ins Boot geholt werden, klappt diese Argumentation, und alle Seiten profitieren.

· Wie profitieren Sie denn?

Auch der Werkzeugbau braucht Wertschöpfung. Der Lopez-Effekt funktioniert doch nur auf kurze Sicht. Um am Standort Deutschland und im Export schlagkräftig zu bleiben, brauchen wir Investitionen – in die Bearbeitung, in die Konstruktion, in neue Konzepte für Sonderverfahren und in Menschen…

· Stichwort Menschen. Wie steht es um deren Leistungs- und Ausbildungsniveau?

Deutsche Werkzeugbauer haben einen guten Ruf. Sie sind auch relativ gut bezahlt, verglichen mit anderen Metallberufen. Aber das soll auch so sein, denn es wird viel verlangt. Mir liegt auch die gewerbliche Ausbildung am Herzen. Die Berufschulen zielen noch zu wenig auf neue Technik ab. Oft fehlt es an der technischen Grundausstattung und die Lehrpläne sind auf einem alten Stand. Da gibt es noch viel aufzuholen. Auch berufsbegleitend fehlt es an Initiativen. Beispiel: Wo kann ich einen guten Werkzeugmacher praxisgerecht zum Konstrukteur ausbilden? Das müssen Unternehmen alleine leisten. Bei uns sind derzeit rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Darunter acht bis elf Auszubildende. Das mittelständische Handwerk trägt die Hauptlast der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Und zwar aus Überzeugung und Notwendigkeit.

· Kommen wir zur Technik zurück. Gibt es nach CAD- und HSC-Technologie noch einen besonderen Treiber der Entwicklung?

Nicht wirklich. Es sind derzeit eher kleine Schritte. Das Wissen über Sonderverfahren hat zugenommen und sich in den Konstruktionen niedergeschlagen. Auch die Heißkanaltechnik führt zu positiven Effekten. Natürlich werden die Fertigungsverfahren, etwa das HSC-Fräsen, verbessert. Insgesamt konzentrieren wir uns heute darauf, mehr Intelligenz – Stichwort Sensorik – ins Werkzeug zu packen, um die Wertschöpfung beim Kunden und bei uns zu verbessern.

· Wie begleitet der VDWF die Entwicklung?

Der VDWF ist ein kleiner, aber sehr geschlossener Verband. Und er ist wegen seiner Mitglieder durch und durch mittelständisch geprägt. Das ist seine Stärke und Schwäche zugleich. Mir persönlich liegt hier der Netzwerkgedanke am Herzen: Wenn der Wettbewerbsdruck zunimmt, muss ein Verband seine Mitglieder zusammen schweißen. Preisdumping kann wie gesagt keine Antwort sein. Dann gibt es nur Verlierer. Unter diesen Gesichtspunkten kann der Verband ein sehr wertvolles Instrument sein.

· Guido Radig Journalist in Bergkirchen

08.01.2007


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