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Kennt jemand noch...

...die Welt ohne Mäuse?

Bild: Autor
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1979 hörte ich das erste Mal etwas von einer Maus. Das war an der FH Furtwangen, erstes Semester Informatik. Einer unserer Professoren hatte auf einer Messe in den USA einen Trend ausgemacht, eine kleine, handliche Box, die an den Rechner angeschlossen wird. „Damit werden in Zukunft die Eingaben am Computer gemacht", prophezeite er.

Noch war es nicht soweit. Ich lebte in einer Welt ohne Mäuse. Am Abend saß ich im Rechenzentrum der Schule vor einem klobigen Terminal und gab meine Pascal-Übungen ein. Es war grauenhaft. Für jede Zeiger-Bewegung am Bildschirm – nach rechts, nach links, mit oder ohne Löschen des Zeichens, das im Weg stand – wühlte ich in meinen Unterlagen nach der zugehörigen Tastenkombination. Bis ich den kleinen, nervös blinkenden, grünen Strich an der richtigen Stelle hatte, um einen Fehler zu korrigieren, hatte ich auf dem Weg dorthin drei neue produziert.

Nach acht Semestern hatte ich die Nase voll von Computern. Meine Diplomarbeit schrieb ich auf der elektrischen Schreibmaschine meiner Mutter. 1984 arbeitete ich als Jung-Redakteur auf einem IBM-PC. Es gab immer noch keine Maus, aber eine Tastatur mit Pfeil-Tasten. Was für ein Luxus! Schließlich wurden unsere Rechner mit Windows 1.0 ausgestattet. Und mit Windows kam die Maus.

In der Industrieanzeiger-Redaktion habe ich seit zehn Jahren die gleiche Maus. Sie wurde 2001 auf der Cebit vorgestellt. Die Presse-Konferenz von Logitech war damals rappelvoll. Auf einem separaten Tisch waren rund 40 Päckchen mit einer nagelneuen optischen Funkmaus gestapelt. Aber es waren weit mehr Redakteure im Raum und jeder wollte eine. Kaum war der letzte Satz der Präsentation verhallt, stürmte alles nach vorn, als ginge es ums nackte Überleben. Ich wurde gedrückt, gestoßen, mitgerissen und fast über den Haufen gerannt. Ich erwischte auch eine. Mit meinem Päckchen unterm Arm schlich ich davon. Mein Gott, war mir das peinlich.

Aber so ist das eben mit den Mäusen. Jeder will eine, jeder braucht eine, ohne Mäuse hält die Welt den Atem an. Meine Katze „ Schlotz" – Gott hab sie selig – sah das damals nicht anders. ub

11.04.2011


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