Stürmischer Herbst!
Noch ist es zu früh, ein Resümee über den Aufschwung der Wirtschaft seit dem tiefen Fall im Krisenjahr 2009 zu ziehen. Die deutlich verbesserte Lage der verarbeitenden Industrie seit diesem Jahr hat den Unternehmen in den ersten vier Monaten eine positive Entwicklung beschert. Viele Planungen unterstellen jedoch, dass das zweite Halbjahr schwächer ausfallen wird als das erste. Eine Prognose für die nächste Jahreshälfte ist wegen der vielen Unsicherheiten schwierig. Ob es ein „blutleerer Aufschwung“ wird, den der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Kramer, vorhersieht, hängt sicherlich auch mit der Kredit‧vergabe‧praxis der Banken zusammen. Je weniger die Geldgeber ins ‧Risiko gehen, desto mehr zeichnet sich bis zum Herbst eine konjunk‧turelle Delle ab. Auch wenn es derzeit keine allgemeine Kreditklemme gibt, so hängt sehr wohl das Damoklesschwert Kreditklemme über den deutschen Unternehmen. Die jüngste Umfrage der KfW-Bankengruppe und führender Wirtschaftsverbände bestätigt dies. Laut KfW hatten fast zwei Drittel der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Mio. Euro im Vorjahr Probleme, überhaupt noch Kredit zu erhalten. Doch wenn nicht jetzt, wann dann? Unternehmen haben eben den höchsten Kreditbedarf, wenn nach erreichter Talsohle bei anziehender Konjunktur die Lager wieder gefüllt und Kundenanforderungen vorfinanziert werden müssen. Die Umfrage zeigt zudem, dass große Teile der Wirtschaft in den Startlöchern stehen, um zu investieren. Wenn überhaupt etwas vorherzusagen ist, dann dies: Wird die künftige Entwicklung von den Banken nicht in der einst üblichen Weise finanziert, dann steht dem deutschen Mittelstand ein stürmischer Herbst bevor.
Dietmar Kieser
Stellv. Chefredakteur
