Urbane Produktion: Die neue Stadtlust der Arbeit vereint Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte

Comeback der Stadtfabrik

Verlagert demnächst einen Teil der Produktion aus dem „Gear Valley
Verlagert demnächst einen Teil der Produktion aus dem „Gear Valley" Eisenbach ins städtische Titisee-Neustadt: Gökhan Balkis, Geschäftsführer der Morat Group
„Die urbane Produktionder Zukunft passt exakt zur Grundüberzeugung der Wittenstein AG
„Die urbane Produktionder Zukunft passt exakt zur Grundüberzeugung der Wittenstein AG", betont Erik Roßmeißl, Initiator des Projekts und heute Kaufmännischer Leiter
Umgeben von breiten Grünstreifen, in die ein öffentlich zugänglicher Teich eingebettet ist, könnte der Neubau für die zerspanende Produktion auch als Verwaltungssitz seinen Zweck erfüllen
Umgeben von breiten Grünstreifen, in die ein öffentlich zugänglicher Teich eingebettet ist, könnte der Neubau für die zerspanende Produktion auch als Verwaltungssitz seinen Zweck erfüllen
Nur 300 m von der ehemaligen „Zahnradfabrik
Nur 300 m von der ehemaligen „Zahnradfabrik" entfernt, steht der Neubau von Wittenstein-bastian inmitten von Fellbach, direkt neben einer Passivhaussiedlung
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Ökologisch gesehen ist es sinnvoller, in der Stadt zu produzieren: Weniger Fläche und kürzere Wege, dazu qualifizierte Mitarbeiter und flexible Arbeitssysteme sind Positivfaktoren. Vorausgesetzt, die Produktion ist schonend und verträglich – wie beim Verzahnungsspezialisten Wittenstein bastian. In Fellbach ist die urbane Produktion der Zukunft Wirklichkeit.

Das „Gear Valley" auf Google maps zu finden ist aussichtslos. Die Online-Suchmaschine meldet dazu keine Treffer. Unter diesem Begriff ist die Region im Hochschwarzwald geographisch nicht verzeichnet. Gear Valley nennen die Einwohner des aus vier Weilern bestehenden Eisenbach ihr Tal.

Nicht von ungefähr ziert die Homepage der Gemeinde der Beiname „Ursprung patentierter Erfindungen". Das Selbstbewusstsein der Eisenbacher speist sich aus der Ansammlung zahlreicher feinmechanischer Betriebe mit mehr als 100-jähriger Tradition. Ihre Werkshallen verlassen jährlich Millionen von Schnecken, Zahnrädern und Ritzeln. Millimeterkleine Präzisionsdrehteile, die später in Zentralverriegelungen, Servolenkungen und Fensterhebern auf der ganzen Welt verschwinden. Auch der älteste Skilift der Welt stammt von hier oben, fast 1000 m über dem Meeresspiegel.

Die geballte Präsenz der Zahnrad- und Getriebeindustrie in dem Schwarzwalddorf bietet heute 1400 Arbeitsplätze – bei gerade mal 2100 Einwohnern. Spezialisten sind ebenso gefragt wie Expansionsflächen. Beides ist bei den Schwesterfirmen F. Morat und Framo Morat am Firmensitz rar geworden. Ingenieure lassen sich kaum ins idyllische Gear Valley locken, auch bauliche Erweiterungen sind kaum möglich. Dies hemmt die Unternehmen in ihrer Engwicklung. Um zukunftsfähig zu bleiben, haben sich Eigentümer und Management für eine Ansiedelung der Betriebe in der nächstgelegenen Stadt entschieden. In Titisee-Neustadt wurde ein 25 000 m² großes Gelände erworben, direkt an der B31, die Donaueschingen mit Freiburg verbindet, nur einen Steinwurf vom Neustädter Bahnhof entfernt. Bis 2013 wird eine Produktionshalle errichtet. Im Endausbau könnten bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen brauche Expansionsflächen, beteuert Geschäftsführer Gökhan Balkis. „Wir wollen organisch wachsen, wichtig dabei ist jedoch die Nachhaltigkeit".

Weniger die Tatsache, bisherige Produktionsprinzipien und -konzepte einfach nur vom Land ins urbane Umfeld zu verlagern, weckt die neue Lust der Landbewohner aufs Stadtleben. Weitsichtige Firmenlenker wie Balkis wissen genau, dass sie bei der Integration ihrer Produktion in einem Ballungsraum neben ökonomischen Aspekten auch ökologische und soziale Belange berücksichtigen müssen. Denn nur mit diesem Dreiklang-Prinzip lassen sich alle Vorteile einer urbanen Produktion ausschöpfen.

Visionäre der „Urban Production", in den USA „Urban Manufacturing" genannt, definieren diese als „so schonend und verträglich, dass sie selbst im städtischen Umfeld erfolgen kann" . Gemäß der reinen Lehre entstehen dann „nachhaltige Produkte durch stadtverträgliche Fabriken und Produktionssysteme, flexible Produktionskapazitäten und dezentrale Produktionsnetzwerke sowie stadtverträgliche Logistik", heißt es in einer Skizze für ein Fraunhofer-Innovationscluster in Baden-Württemberg. Und weiter: Zwischen Wohnung und Arbeit legen die Beschäftigten kurze Wege zurück. Arbeit, Arbeitszeit und Arbeitsort lassen sich deshalb neu flexibilisieren.

„Um Beruf und Familie besser zu vereinbaren oder ältere Mitarbeiter einzubinden, braucht es neue Arbeitszeitmodelle", sieht Joachim Lentes vom Stuttgarter Fraunhofer IAO den Vorteil durch kürzere Arbeitswege (siehe Nachgefragt). Unternehmer hingegen könnten auf Nachfrageschwankungen besser reagieren. Lentes, der am IAO den Bereich Digital Engineering leitet, befasst sich derzeit damit, das Innovationscluster „Urban Production" aufzubauen. Dessen Ziel ist es, neue Technologien in Produkte und Produktionen zu integrieren. Die Stellhebel dazu sind neue Technologien in Form von Methoden, Prozesse und IT-Werkzeuge. Herstellprozesse sollen so stattverträglicher werden und eine urbane Produktion ermöglichen.

„Die Komponente Stadt", sagt IAO-Forscher Lentes, „wird heute anders bewertet als noch vor 15 Jahren." Längst geht das Wort von der Renaissance der Städte um. In ihrer zukünftigen Hightech-Strategie 2020 hat die Bundesregierung zentrale Zukunftsprojekte für künftige Leitmärkte fixiert. Eines ist die „ Morgenstadt": die Vision einer typischen deutschen Metropole der Zukunft, deren Einwohner Energie in klimaschonender Weise nutzen und somit nur einen Bruchteil des CO2-Fußabdruckes pro Person heutiger Städte aufweist.

Inzwischen lebt mehr als die Hälfte der sieben Milliarden Erdbewohner in Städten. In den nächsten Jahrzehnten soll dieser Anteil auf knapp 70 % ansteigen. Schon deshalb müssen die Städte von morgen nachhaltig, lebenswert und zukunftsfähig werden. Um dies umzusetzen, hat die Fraunhofer-Gesellschaft im Rahmen der Morgenstadt-Vision sieben Forschungsfelder definiert, die „urbane Produktion" ist eines davon.

Den Trend zur Verstädterung spüren auch die Führungsetagen der Wirtschaft, seit neue Mobilitätskonzepte und zunehmend l(i)ebenswerte Innenstädte die Landflucht gestoppt haben. Firmenchefs werden darauf ebenso Antworten finden müssen wie auf den Trend zur Nachhaltigkeit. In diesem Sinne müssten sich Fabriken mit ihrem direkten Umfeld arrangieren, zum beiderseitigen Nutzen, meint Joachim Lentes. So sollte der Beitrag eines Industriebetriebs in seinem Umfeld wesentlich positiver sein und nicht nur als Gewerbesteuerzahler in Erscheinung treten. Denkbar wäre, regenerativ gewonnene Energie oder überschüssige Fernwärme abzugeben oder abends Firmenparkplätze zur Verfügung stellen. Auch solche Aktionen können das Bild der Produktion in den Köpfen der Menschen deutlich verbessern.

Schöne neue Arbeitswelt? Wenn es nach den Beschäftigten der Wittenstein bastian GmbH geht, trifft dies zu. Seit der 1906 in Stuttgart gegründete Verzahnungsspezialist unweit vom angemieteten Altbau in der nahegelegenen Stadt Fellbach kürzlich sein neues, direkt neben einer Passivhaussiedlung liegendes Werk bezogen hat, herrscht rundum Zufriedenheit. Mitarbeiter hätten ihm erzählt, dass sie richtig gerne zur Arbeit gingen und sich jeden Tag aufs Neue freuen würden herzukommen, sieht Erik Roßmeißl das Konzept bestätigt. Der vormalige bastian-Geschäftsführer und heutige kaufmännische Leiter des Mutterhauses Wittenstein AG in Igersheim weiß auch von der Wirkung der hochmodernen Stadtproduktion auf Bewerber. Aussagen wie „unbedingt in diesem Gebäude arbeiten zu wollen", deuten darauf hin, welchen Beitrag eine urbane Produktion zur Arbeitgebermarke leisten kann. Ein nicht zu unterschätzender Wert für ein mittelständisches Unternehmen mit rund 90 Mitarbeitern, das im Stuttgarter Speckgürtel mit attraktiven Arbeitgebern wie Daimler, Porsche, Bosch, Festo, Stihl & Co. um rare Fachkräfte buhlt.

Wer das Bild einer traditionellen Fabrik kennt und das Fellbacher Produktionswerk betritt, wähnt sich in einer anderen Welt. Der Vergleich eines Kollegen „mit einer Pharmaproduktion", habe ihn mit Stolz erfüllt, bekennt der Wittenstein-Manager. Was ist nun das Besondere an dieser Produktionsstätte der Zukunft, in der Stirnräder, Kegelräder und Innenverzahnungen im µ-Bereich gefertigt werden? Und welche Maßnahmen sichern die hohe Lebens- und Arbeitsqualität der Beschäftigten?

Von außen deutet nichts darauf hin, dass die Maschinen in dem 5400 m² großen Komplex im Mehrschichtbetrieb Metall zerspanen. Umgeben von breiten Grünstreifen, in die ein öffentlich zugänglicher Teich ebenso eingebettet ist wie ein Lärmschutzwall, der die Anwohner vor Geräuschemissionen schützt, könnte der weiß getünchte zweistöckige Neubau mit seinen großzügigen Glasfronten auch als Verwaltungssitz seinen Zweck erfüllen. Indes steckt das Innenleben voller Innovationen: Gebäudetechnik und Maschinen sind auf geringstmöglichen Ressourcenverbrauch und zugleich höchste Präzision getrimmt. Alle technischen Themen wie Lärm, Abgas, Abfall, CO2-Ausstoß, Wasser und Abwasser sind berücksichtigt.

Gewiss gibt es städtische Produktion seit Beginn der Industrialisierung. Besonders ausgeprägt im Ruhrgebiet. Ebenso in München, wo „BMW seine Wurzeln in der Stadt immer tiefer versenkt" , wie Oberbürgermeister Christian Ude bei der Eröffnung der neuen „BMW Welt" 2007 das Engagement des Premiumherstellers in Zeiten verschärfter Standortkonkurrenz lobte. Oder in direkter Nachbarschaft von Wittenstein bastian, wo der Daimler-Stammsitz von Bad Cannstatt bis in die Esslinger Weststadt mäandert.

Fast ausnahmslos verfügen die größeren Adressen der deutschen Industrie, die von jeher stadtnah oder gar in Citylage produzieren, über moderne Fertigungstechnik. Dies bedeutet aber nicht, dass sie nach Urban-Production-Gesichtspunkten agieren. „ Wir tun es heute bewusst, integrieren uns gezielt in ein städtisches Umfeld und versuchen, die Rahmenbedingungen aufzunehmen und umzusetzen", grenzt Erik Roßmeißl ab. Eine benachbarte Passivhaussiedlung, Grünflächen-ausgleich und Artenschutzgutachten, selbst ein Bombengutachten, um mögliche Blindgänger aus Kriegszeiten auf dem Grundstück auszuschließen, all dies konnte die Bauherren nicht abschrecken.

Als Roßmeißl seinem Chef vor vier Jahren seine Idee skizzierte, gab Dr. Manfred Wittenstein schnell grünes Licht für das 12-Mio.-Euro-Projekt. „Er hat das Vorhaben sofort als Herausforderung begriffen, da es exakt zur Grundüberzeugung des Unternehmens passt", blickt der Initiator zurück. Schließlich sei nachhaltiges und gesellschaftlich verantwortungsvolles Wirtschaften in der Wittenstein-DNA festgeschrieben.

Per se ist eine geräusch- und emissionsarme Produktion teuer, zumal sie vollklimatisiert ist. Rund 40 % der Baukosten hat in Fellbach die Gebäudetechnik verschlungen. Klimatisierung und Kühlung bilden mit der Produktionstechnik ein symbiotisches System. Die Klimatisierung kühlt die Maschinen, deren Abwärme via Wärmetauscher die Büros heizt. Überdies produziert eine Photovoltaikanlage so viel Energie, wie 100 Haushalte verbrauchen. Genutzt wird diese Energie auch, um die vollklimatisierte Luft der Produktion ständig zu entfeuchten. Ein wichtiger Aspekt, der den Mitarbeitern im Maschinenpark ein Wohlfühlklima verschafft.

Trotz einer 50 % größeren Produktionsfläche erreichen die Energiekosten das Niveau der alten Zahnradfabrik. „Eine riesige Ersparnis", freut sich der kaufmännische Leiter. Und Erik Roßmeißl sieht noch Einsparpotenziale: Bis zu 40 %, wenn der Maschinenpark noch effizienter betrieben werde.

Selbstredend, dass die Messlatte in puncto Produktivität und Qualität in Fellbach sehr hoch liegt. Die reale urbane Fabrikproduktion hat zugleich Demonstrationscharakter: nicht nur was die Nachhaltigkeit betrifft, sondern auch bei der intelligenten Vernetzung. So ist der Neubau für Elemente der „ mitdenkenden Produktion der Zukunft" vorbereitet. Die dafür notwendigen cyber-physischen Systeme sind die Voraussetzung dafür, dass Maschinen, Produktionsmittel und halbfertige Produkte einmal via Internet ständig miteinander kommunizieren. Für diesen Industrie 4.0 genannten Ansatz ist Fellbach die Schaufensterfabrik. Bis zur Gründung eines Campus oder gar eines Instituts reichen die Ideen des Antriebsspezialisten.

Gut möglich, dass auch derzeitige Nutznießer der Ansiedlung hier einmal Karriere machen. Kinder aus der Nachbarschaft badeten kurz nach Eröffnung im vor dem Gebäude angelegten Teich. Das vom Dach darin gesammelte Regenwasser wird eigentlich für die sanitären Anlagen genutzt. „Mit dieser Sogwirkung hatten wir nicht gerechnet", schmunzelt Erik Roßmeißl, aber auch das sei Urban Production.

· Dietmar Kieser dietmar.kieser@konradin.de

Urban Production aufdem FtK2012

Das Fertigungstechnische Kolloquium FtK 2012 der jeweiligen Stuttgarter Universitätsinstitute und ihren Partnerinstituten Fraunhofer IAO und IPA am 25. und 26. September befasst sich in Session 3 am Vormittag des zweiten Konferenztags mit dem Thema der Urbanen Produktion. Vertreten sind Redner vom Fraunhofer IAO, Wittenstein und J. Schmalz.

Mit digitaler Produktion zur urbanen Produktion

Das Fraunhofer-Innovationscluster in Stuttgart behandelt in einer Veranstaltung am 20. November im neugebauten Zentrum für Virtuelles Engineering ZVE das Thema urbane Produktion unter besonderer Berücksichtigung digitaler Werkzeuge, die neuartige Ansätze für Produktion und Produkt erst ermöglichen. Auf der Veranstaltung werden Redner der Firmen Dornbracht, Festo und Wittenstein auftreten.

Fraunhofer-Innovationscluster Urban Production

Unter www.urbanProduction.de stehen erste Informationen für Interessierte bereit. Es besteht auch die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Studie sowie zur Kontaktaufnahme.

„Stadtnahes Arbeiten eröffnet eine völlig neue Flexibilität"

· Was sollte ein Firmenchef beachten, wenn er über eine urbane Produktion nachdenkt?

Dass hier mehrere Dinge zum Tragen kommen. Die Produkte sollten dafür geeignet sein und die Produktionsverfahren generell nachhaltiger. Deshalb werden in der Stadt eher Hightech- und mechatronische Produkte gefertigt und weniger Standardprodukte. Wissensbasierte und designorientierte Produkte dürften für die Produktion in der Stadt deutlich besser geeignet sein als Produkte der Schwerindustrie. Auch die Rahmenbedingungen unterscheiden sich von den ländlichen, weil man in der Stadt mit den Flächen ganz anders umgehen muss und andere Auflagen gelten.

· Die Verträglichkeit der Produktion muss also generell besser sein?

Unbedingt. Interessant ist, dass dieses Thema gerade bei Mittelständlern auf dem Land sehr gut ankommt. Teilweise haben sie ähnliche Herausforderungen. So manche alteingesessene Firma wurde nach und nach von einem Wohngebiet umzingelt. Eine urbane Produktion muss schonend und verträglich sein, dazu ressourcen- und energieeffizient. Dieses Thema gilt genauso in dieser Situation auf dem Land. Und wenn wir argumentieren, eine städtische Produktion müsse auf einer Symbiose zwischen Unternehmen oder Fabrik und dem Umfeld basieren, dann trifft dies oft auch auf Firmen im ländlichen Raum zu.

· Hat auch der Zwang, noch wirtschaftlicher produzieren zu müssen, etwas mit einem Standortwechsel zu tun?

Durch die Verlagerung hinterfragt man eher: wie produziere ich mit welchen Ressourcen und was will ich erreichen? Stadtnahes Arbeiten eröffnet ja völlig neue Flexibilitäts- und Einbindungsmöglichkeiten. Dies bringt ein Unternehmen wirtschaftlich weiter voran, zudem entfernt es sich durch Hinterfragen vom inkrementellen Weiterentwickeln. So mancher sah sich ja bislang nie gezwungen, sein Tun radikal zu hinterfragen. Das muss er aber mit einer Werkseröffnung in der Stadt.

· Sollten auch Unternehmen mit einem städtischen Stammsitz, aber größeren Produktionswerken im ländlichen Raum umdenken?

Bei Urban Production reden wir nicht unbedingt von einer Konzentration in der Stadt, sondern von einem Hinterfragen der Verteilung im Produktionsnetzwerk. Vielmehr braucht es den ganzheitlichen Ansatz, wo ein Teil durchaus ländlich sein kann, es aber Firmenteile geben kann oder muss, die stadtnah angesiedelt sind. Denkbar ist beispielsweise die Produktion von Vor-Produkten und Komponenten außerhalb und die Endmontage oder Konfiguration kundenindividueller Produkte in Kundennähe in der Stadt. So könnte etwa ein größerer Autohändler sich mit einer weiteren Etage vergrößern, auf der er künftig Autos kundenspezifisch montiert und gleich den Service übernimmt.

· Jungingenieure zieht es eher in die Städte. Stößt der einsetzende Fachkräftemangel erste Wanderungsbewegungen an?

Ich weiß von etlichen Firmen, dass sie Probleme haben, auf dem Land qualifizierten Nachwuchs zu finden. Betroffen sind auch Automobilzulieferer aus dem östlichen Raum. Es gibt also eine Tendenz hin zur Stadt. Der Fachkräftemangel wird dazu führen, das eigene Produktionsnetzwerk langfristig neu auszurichten. dk

10.09.2012


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