Kohlefaser macht Bewegungseinheit flink
Das Laserscheiden von Blechen wird künftig noch produktiver. Die Aussteller der Messe Euroblech zeigten eine Reihe von Innovationen, mit deren Hilfe die Anwender mehr Teile aus den Anlagen holen können.
Die Stimmung auf der Euroblech, der internationalen Messe für Blechbearbeitung, war ausgesprochen gut. Zumindest bei jenen Ausstellern, die breit aufgestellt und nicht ausschließlich von der Automobilbranche abhängig sind. Viele berichteten von konkreten Anfragen und Abschlüsse. Und obwohl sich alle bewusst waren, dass die fetten Jahre zunächst einmal vorüber sind, mochte niemand von Rezession reden. Immer wieder war zu hören, dass die Kapazitäten in den letzten Monaten bis ans Limit ausgepresst worden seien und jetzt ein wenig mehr Normalität eigentlich willkommen sei. Bei vielen Unternehmen war der Versuch, die Kapazitäten auszuweiten, schon daran gescheitert, dass das benötigte Fachpersonal nicht zu bekommen war. Hier könnten einige Messe-Highlights im Bereich der Laserschneidanlagen helfen – sie sind produktiv wie noch nie. Ein Beispiel ist die Laserschneidanlage TruLaser 7040 Neu, die die Ditzinger Trumpf GmbH & Co. KG als die weltweit produktivste ihrer Art vorstellte. Zwei Schneidköpfe, ein 6-kW-Scheibenlaser mit Strahlaufteilung und ein Querträger aus Kohlefaser sind die markantesten Merkmale. Der Platz der neuen 7040 im Portfolio der Schwaben ist klar definiert: Sie ist die Hochgeschwindigkeitsmaschine für die Produktion großer Stückzahlen, bevorzugt im Dünnblechbereich.
Die Anklage ist mit dem Scheibenlaser TruDisk 6001 ausgestattet. Zu dessen Energieeffizienz trägt neben dem hohen Wirkungsgrad auch der Standby-Modus bei, durch den der Laser kaum Strom verbraucht, wenn er nicht schneidet. Mit Hilfe eines Strahlteilers bedient das Laseraggregat zwei Schneidköpfe. Dadurch können gleichzeitig zwei Teile mit einer Schneidleistung von 3 kW bearbeitet werden. Konzentriert der Anwender die vollen 6 kW auf einen Kopf, schneidet die TruLaser 7040 Neu bis zu 25 mm dicke Bleche. Die benötigten Schneidparameter liefern die Ditzinger mit, so dass Strahlaufteilung oder -bündelung auf Knopfdruck möglich sind.
Ein Novum ist auch die Bewegungseinheit aus Kohlefaser. Das Resultat: geringes Gewicht bei extremer Steifigkeit. Und eine hohe Dynamik des Querträgers mit Beschleunigungswerten von bis zu 25 m/s2 sowie maximale simultane Achsgeschwindigkeiten von 304 m/min. Alle Achsen haben einen reibungsfreien Lineardirektantrieb. Die Beschleunigungen in den Achsen X und Y stiegen im Vergleich zum Vorgängermodell um 25 %. Um selbst auf geringe Blechunebenheiten blitzschnell reagieren zu können, beschleunigt die Z-Achse mit bis zu 30 m/s2.
Ebenfalls Direktantriebe in allen Achsen hat die neue Laserschneidmaschinenserie LC-F1 NT von Amada. Die deutsche Tochter des japanischen Herstellers, die Amada GmbH, Haan, gibt achssimultane Positioniergeschwindigkeiten von bis zu 170 m/min an und verspricht extreme Präzision und Konturgenauigkeit am Bauteil, das zwischen 0,8 und 20 mm dick sein darf. Die Positionsabweichung beziffert das Unternehmen mit ± 0,01 mm auf einer Länge von 500 mm, die Wiederholgenauigkeit mit ± 0,005 mm. Die LC-F1 NT gibt es in zwei Größen, mit Arbeitsbereichen von 3000 mm x 1500 mm oder 4000 mm x 2000 mm. Zur Wahl stehen Laserleistungen von 2,5, 4 oder 6 kW. Zusammen mit der guten Zugänglichkeit und der flexiblen Positionierung von Palettenwechsler und Resonator soll sich die Maschine an die Bedürfnisse der Kunden anpassen lassen und sowohl für die Einzelteilfertigung eignen als auch für die Serienproduktion. Zur Flexibilität trägt auch die adaptive Optik bei, durch die mit nur einer Linse (7,5") nahezu alle Materialien geschnitten werden können.
Konstruktive Basis der Amada-Maschine ist ein verwindungssteifes und vibrationsdämpfendes Gussbett. Die Brücke ist flach über dem Arbeitsbereich angeordnet und hält den Maschinenschwerpunkt niedrig. Dadurch könne auf ein spezielles Fundament verzichtet werden.
Eine Laserleistung von 6 kW bietet auch die Bystronic Laser AG, Niederönz/Schweiz, für ihre Baureihe BySpeed an. Für die vorgestellte BySpeed 3015 versprechen die Schweizer höchste Produktivität insbesondere bei der Bearbeitung dicker Bleche. Mittels Pressluftschneiden seien jedoch auch bei Dünnblechen hohe Schneidgeschwindigkeiten möglich. Kürzere Nebenzeiten durch einen um 30 % schnelleren Tischwechsel sollen den Teileausstoß zudem erhöhen.
Unter dem Motto „Laserschneiden in der Kompaktklasse" stellte die Messer Cutting & Welding GmbH, Groß-Umstadt, die Laser-Schneidanlage FiberBlade für 1 bis 12 mm dicke Bleche vor. Die Anlage verfügt laut Hersteller über eine innovative und gleichzeitig einfache Strahltechnik. Der Anwender profitiere von günstigen Unterhalts- wie Schnittkosten. Der 1,2-kW-Faserlaser soll in seiner Schneidleistung mit einem 2-kW-CO2-Laser vergleichbar sein, aber einen deutlich besseren Wirkungsgrad haben. Die Standzeit der Emitterdioden gibt Messer mit über 50 000 h an. Die Flachbettmaschine mit herausfahrbarer Palette hat ein 2-Achsen-Portal. Das Faserkabel des Laserresonators wird einfach in der Schleppkette mitgeführt. Der Schneidbereich misst 4 m x 2 m.
Neben den Ausstellern freute sich auch Euroblech-Veranstalter Mack Brooks über den erfolgreichen Messeverlauf. Die Briten meldeten Rekorde in allen Bereichen: 1520 Aussteller aus 38 Ländern belegten eine Fläche von 87 700 m2 und präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen 69 400 Besuchern. Die Aussteller- und Besucherzahlen seien damit jeweils um rund 8 % gewachsen.
· Haider Willrett haider.willrett@konradin.de
