„Maschinenbau und Energieeffizienz im Fokus"
· Frau Rodriguez, was verbirgt sich alles hinter Schneider Electric?
Mit rund 21 Milliarden Euro Umsatz gehört Schneider Electric zu den Großen in der Elektrobranche. Wir bieten integrierte Lösungen für Energie und Infrastruktur, industrielle Prozesse, Maschinen- und Industrieausrüstung, Gebäudeautomatisierung, Rechenzentren und Datennetze sowie Wohngebäude. Im ersten Halbjahr betrug das organische Wachstum des Unternehmens 10,2 Prozent. In den New Economies konnte das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten im gleichen Zeitraum sogar um 21 Prozent zulegen. Mit 33 Prozent hat Europa immer noch den größten Anteil am Umsatz, gefolgt von Asien (26 Prozent) und den USA (23 Prozent). Vier bis fünf Prozent der Sales Rates werden wir jährlich in Forschung und Entwicklung investieren. Weltweit beschäftigen wir rund 120 000 Mitarbeiter.
· Was sind die Unternehmensziele?
Aus unserem Unternehmensprogramm Schneider One konnten bereits wichtige Ziele erreicht werden, dazu gehört wie schon gesagt das starke Wachstum in Osteuropa, Lateinamerika, Asien und dem Mittleren Osten. Auch der Ausbau des Lösungsgeschäftes konnte in diesem Kontext im Zeitraum 2008 bis 1. Halbjahr 2011 von 30 auf 35 Prozent gesteigert werden. Für uns hier ist wichtig, dass Deutschland als weltweites Headquarter für Maschinenbaulösungen ausgewählt wurde.
· Was genau muss man sich darunter vorstellen?
Durch die Erweiterung des Standortes in Marktheidenfeld nach der Übernahme von Elau im Jahre 2005 werden die Kompetenzen gebündelt. Dafür werden dort umfassende Investitionen getätigt, unter anderem werden die Gebäude erheblich erweitert. Der derzeit entstehende Neubau im Industriegebiet von Marktheidenfeld bietet mit einer Fläche von etwa 24000 Quadratmetern den für den Ausbau des Geschäftsbereichs nötigen Platz.
· Ist das eine Stärkung des Standortes Deutschland?
Ja, weil hier die Zentrale für „Machine Solutions" angesiedelt" wird und in Zukunft neben den Lösungen für die Verpackungstechnik alle existierenden Kompetenzteams für Maschinenautomatisierung angesiedelt werden. Das Hauptquartier bleibt natürlich in Ratingen.
· Können Sie auch konkrete Beispiele für Automatisierungs-Know-how nennen?
Ja, zum Beispiel führen wir mit PacDrive 3 derzeit die Nachfolgegeneration einer leistungsfähigen Automatisierungslösung ein. Obwohl ich keine Technikerin bin, zähle ich mal die Neuerungen auf wie die durchgängig Ethernet-basierte Kommunikation auf Basis von Sercos III, eine integrierte Safety-Lösung und ein neues flexibles Drive-Konzept. Diese Werkzeuge, integriert in Schneider Electrics Entwicklungsumgebung SoMachine, bieten in vieler Hinsicht neue, leistungsfähige Ansätze zur weiteren Senkung von Engineering-Zeiten.
· Apropos Integration, welche Unternehmen gehören noch zu Ihnen?
Merten zum Beispiel, das Unternehmen steht seit 100 Jahren für designstarke Lösungen wie Schalter, Rauchmelder und weitere intelligente Systemtechnik für Gebäude. Oder Ritto, hier geht es um Kommunikationssysteme mit hohem Anwendernutzen, modernem Design und zeitsparender Installationstechnik. Und mit Elso als Spezialist für Energiemanagement aus einer Hand, ist die Integration des Sortiments und Know-how eine logische Konsequenz für die Bereiche Energie und Infrastruktur, für Rechenzentren, für Fotovoltaik und Elektromobilität sowie Gebäude. Der Thüringer Standort Sondershausen wird weiter als Produktionsstandort genutzt.
· Stichwort Effizienz, was bieten Sie hier?
Fangen wir in Marktheidenfeld an, der derzeit entstehende Neubau soll durch eine energetisch optimierte Bauweise die Vorgaben der Energie-Einsparverordnung für Großgebäude EnEV2009 um 15 Prozent unterschreiten. Die gesamte Ausrüstung für Energieverteilung und -management, Gebäudeautomatisierung, Klimasteuerung, ausfallsichere Stromversorgung, Rechenzentrumsausstattung und Objektschutz setzt sich dabei aus unseren Lösungen und Produkten zusammen.
· Sind sie damit Vorreiter beim Energiemanagement?
Ich denke schon, denn auch an den Standorten Ratingen, Wiehl-Bomig und Drolshagen zeigen wir, wie Kunden von der Einführung eines konsequenten Energiemanagements profitieren können. Die dortigen Energiemanagement-Systeme wurden vom TÜV Rheinland geprüft und nach DIN EN 16001 zertifiziert. Wir haben erkannt, dass Energiemanagement-Konzepte insbesondere an den Produktionsstandorten große Einsparpotenziale bieten, da hier sehr viel Energie benötigt wird. Unser Ziel ist es, unsere Energiekosten dieses Jahr um 4 Prozent zu senken und so die Wirtschaftlichkeit und Rentabilität zu erhöhen.
· Haben Sie dafür spezielle Werkzeuge entwickelt?
SeeTool ist beispielsweise ein Produkt, das als virtuelles Hilfsmittel zur Berechnung von Einsparpotenzialen entwickelt wurde. Es macht konkrete Vorschläge für ein Gebäude und zeigt damit verbundene Einsparmöglichkeiten auf. Ein einfaches Beispiel: Wenn Bewegungssensoren in einem Raum längere Zeit keine Aktion registrieren, wird das Licht automatisch ausgeschaltet und die Heizung heruntergefahren.
· Wie muss ich mir das konkret vorstellen?
Nutzer geben bei der Planung des Gebäudes für jeden einzelnen Raum entsprechende Informationen ein. Dazu gehören zum Beispiel Ländereinstellungen, um Daten wie Klimabedingungen, voraussichtliche Temperatur, Lichtbedingungen im Gebäude zu berücksichtigen, oder die Größe und Funktion des Raumes, um Heizung, Lüftung, Beleuchtung und andere Anforderungen entsprechend anzupassen. Auf Basis dieser Daten erstellt SeeTool einen Analysebericht, schlägt potenzielle Automatisierungslösungen vor und berechnet Schätzwerte für Energieeinsparungen im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen.
· Zurück zur Automatisierung, wie sind Sie hier aufgestellt?
Das Leistungsangebot basiert auf drei wesentlichen Säulen. Eine ist die Flex Machine Control: Eine flexible Plattform besteht aus einer Automationssoftware für alle intelligente Funktionen in einer Maschine und einer Bandbreite von Controllern, die jeweils auf die spezifische Ausprägung der Hauptfunktion einer Maschine optimiert ist. Eine weitere sind Applikationslösungen für konkrete Maschinentypen und dessen Aufgabenstellungen in ausgewählten Zielbranchen Verpackungstechnik, Fördertechnik, Krane, Lift, Pumpen & Lüfter sowie Textilmaschinen. Dazu kommen noch Service und Dienstleistungsangebote. Diese gehen von der Schulung und Beratung über internationale Normen und Richtlinien, Übernahme von Engineering und Programmierung bis hin zu weltweit organisierten Kundendiensteinsätzen für den deutschen Maschinenbauer.
· Erneuerbare Energie und intelligente Netze gehören zusammen, was planen Sie?
Durch die Übernahme von Telvent haben wir das Smart-Grid-Angebot gestärkt. Das vor allem in den USA und Spanien stark vertretene Unternehmen entwickelt moderne Echtzeit-Tools und Enterprise-Anwendungen, wie Scada und GIS, unter anderem für die Energie-, Öl-, Gas- und Wasserwirtschaft. Mit dem Spezialisten für Energiebeschaffung, Risiko- und Datenmanagement, Summit Energy Services bietet Schneider Electric jetzt auch ein breites Spektrum an Dienstleistungen im Bereich der Energieerzeugung und Verteilung an. Zusammen bieten beide Unternehmen ein umfassendes Produktportfolio im Nieder- und Mittelspannungsbereich sowie eine Palette an Management-Software für effiziente, flexible und sichere Smart Grids.
· Gibt es ein konkretes Beispiel?
Im Rahmen unserer Neuausrichtung entsteht derzeit auf dem Campus des European Energie Forums (Euref) in Berlin auf 3600 Quadratmetern Nutzfläche ein neuer Standort. Im Zusammenspiel mit energieeffizienten Gebäuden und regenerativer Energieerzeugung entsteht dort ein Micro-Smart-Grid. Zudem werden dort Forschungsaktivitäten zur Elektromobilität angesiedelt. In der Niederlassung beheimatet Schneider Electric ab 2012 die Aktivitäten der Business Units Power, Industry, Buildings und IT.
· Werner Möller werner.moeller@konradin.de
